Wildflughaltung von zwei Sakerfalken

Im Jahr 2004 haben wir ein Sakerfalkengeschwisterpaar über Wochen im Wildflug stehend mit der Kamera begleitet.


Sakerterzel „Massoud“ im Wildfluggelände


Die ersten 14 Tage verbrachten wir mit den Falken gemeinsam draußen. Jedes Auftauchen von ihnen wurde sofort mit frischer Atzung belohnt, so hat sich eine gute Bindung an das Gelände entwickelt.
Die Halbwildflughaltung von zwei statt nur einem Sakerfalken hat sich sehr positiv auf die Gesamtflugaktivität ausgewirkt. Einer zog den anderen mit. Wenn sie etwas machten, dann fast immer gemeinsam. Spielerisches gegenseitiges Anjagen und Flugspiele bei Windstärke 5 sind bei den sehr wendigen Falken schon sehenswert.
Von den anfänglich unbeholfenen Flügen bis hin zum Anjagen von Kleinvögeln, Krähen, Fischreihern oder Hasen konnte alles dokumentiert werden. Die Falken wurden in so hoher Grundkondition geflogen, dass sie bis auf zwei Ausnahmen keine Beute geschlagen haben. Eine Halbwildflughaltung ist auch bei einer guten Bindung an das Gelände und unter Zuhilfenahme der Telemetrie nicht immer ohne Risiko.
Am 30.07. kehrte Massoud, der Sakerterzel, nicht in das Wildfluggelände zurück. Die Telemetrie brachte auch keine Hinweise. Am Folgetag um 16:47 Uhr konnten wir Signale von der Nordseeküste her kommend empfangen. Wir fuhren ihm entgegen.
Er kam so hoch herein, dass er auch mit einem guten Fernglas nicht zu erkennen war. Das geschwungens Federspiel ignorierte er völlig. Den Hof hatte er vor uns erreicht und wir fanden ihn neben seiner Schwester, die am Block stand, in der Brente badend vor.
Zu diesem Zeitpunkt standen beide Falken schon über 15 Tage gemeinsam im Wildflug.
Massoud sollte erst einmal einen Tag stehen bleiben, also flog Shabani am 01.08. alleine raus und nun war sie es, die nicht zurückkam.
Am Nachmittag des nächsten Tages empfingen wir zwei kurze Signaltöne, danach nichts mehr. Eine Suchfahrt entlang der Nordseeküste und 300km durch das Binnenland blieb erfolglos. Am 03.08. erschien sie um 11:00 Uhr völlig überraschend am Hof.
Wahrscheinlich hatte sie draußen Beute gemacht, da sich ihr Körpergewicht um nur 60g auf 1.216g verringert hatte. Nach dem sie Atzung erhalten hatte, schlief sie kurze Zeit später auf der Reck stehend ein.


5 Windstärken  und blauer Himmel- also Falkenflugwetter


Eigentlich wollten wir beide Falken für die Weiterzucht zurückbehalten, haben uns dann aber doch dazu entschlossen, Shabani an einen guten Falkner nach Österreich zu verkaufen. Ihren Mut und ihr Draufgängertum hatte sie uns ja immer mal wieder  unter Beweis gestellt. Ihr Falkner berichtete uns voller Stolz von spielerischen Angriffen, die sie auf einen Fischreiher geflogen hatte.
Ein paar Tage später sollte sie ein ganz normales Federspieltraining absolvieren, sie brach jedoch aus, um einen in einiger Entfernung vorbei fliegenden Mäusebussard im Jagdflug nach zusetzen. Ihr Falkner fand sie schließlich in gut 200m Entfernung im Gras liegend vor. Der Mäusebussard hatte Shabani im Hals-Kopfbereich erwischt und ein paar Minuten später war alles vorbei. Wir haben einen Falken mit guten Veranlagungen viel zu früh verloren.